#33 Demo

Die stadtkönigin auf einer Demo. Illustration

Demonstrationen sind in meinen Augen eine schöne und wichtige Sache und ich möchte schreiben, warum. Mir ist klar, dass sich die Geister scheiden und dass es einigen zu viele Menschen auf einer Demo sind und damit sind sie bei Weitem nicht allein. Ich möchte hier also keinen Aufruf zum Demonstrieren starten und es soll sich keiner schlecht fühlen, der es nicht gern tut. Es reicht meiner Meinung auch nicht allein, schilderschwenkend durch die Straßen zu ziehen. Jeder, der auf seine Art etwas tut, um die Welt zu verbessern, ist sehr wichtig und sei an dieser Stelle sehr wertgeschätzt. Für mich ist es jedes Mal ein besonderes Erlebnis, das ich hier beschreiben möchte.

Laut sein – ein Weckruf

Demonstrieren ist ein bisschen wie kämpfen. Ein friedlicher Kampf, die Waffen sind Verbundenheit, körperliche Präsenz und Stimme. Wir werden sichtbar, zeigen uns auf den Straßen, sorgen dafür, dass man uns sieht und hört. Lernen einander kennen und erleben die Energie, die entsteht, wenn sich Tausende für eine Sache einsetzen. Auf einer Demo laufen Menschen verschiedenster Gruppierungen mit. Man braucht ihnen nicht anzugehören oder gerade die Partei zu wählen, dennoch finde ich es immer wieder spannend, wer und welche Gruppen das Thema unterstützen. Ich lerne, je nach Größe der Demo, weitere Projekte und Vereine kennen, die sich mit den unterschiedlichsten Themen auseinandersetzen.

Wissen auf der Straße sammeln

Ihr kennt noch nicht alle Fakten und Zusatzwissen ist immer spannend? Dann hört den Rednern auf den Demonstrationen zu. Sie informieren sich, sammeln Daten und Fakten und bereiten ihre Reden vor. Es ist immer etwas dabei, was man nicht weiß. Ich lerne, hinter die Kulissen anderer Sichtweisen zu blicken, manchmal sind es Sichtweisen von Menschen, die ich vorher in irgendeine Schublade gesteckt hätte. Und ich erfahre vieles, auf dessen Grundlage ich selbst meine Meinung formen kann, und sie auch gut unterfüttert verteidigen kann. Manchmal kann ich meine Meinung ändern, da ich mich durch eine öffentliche Rede nicht direkt kritisiert oder angegriffen fühle.

Klar, es sind keine objektiven Abhandlungen, die auf einer Demo vorgetragen werden, aber je mehr ich erfahre, desto mehr kann ich mich selbst einordnen. Es ist auch, wie immer, nicht die einzige gültige Quelle, die wir benutzen dürfen.

Interessant ist auch, welche rhetorischen Mittel eingesetzt werden, wie die einzelnen Redner ihr Publikum gewinnen.

Ein gesellschaftliches Ereignis

Jung und Alt kommen auf der Demo zusammen. Viele Demonstrationen haben Frieden auf ihrer Agenda, und somit ist meistens jeder, der auf diesen mitlaufen möchte, willkommen. Es gibt aber auch welche, auf denen Gewalt geübt wird oder gegen die mit Gewalt vorgegangen wird. Meist kann man das jedoch einschätzen und trotzdem gilt es, ein offenes Auge zu haben. In letzter Zeit haben die großen Bewegungen aber ein sehr friedliches Ansinnen. Auf manchen Demonstrationen habe ich schon Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen oder Kindern in jedem Alter gesehen. Die eine Moralkeule muss ich jetzt mal auspacken: Leider sind die kleinen Kinder oft ohne Gehörschutz dabei.

Eine Demo gibt mir das Gefühl, im Leben zu sein, es ist das Gegenteil von Einsamkeit, die viele zu extremen Gedanken treibt und die es im Grunde zu bekämpfen gilt. So viele Menschen, oft über Zehntausende, die friedlich zusammenkommen, sich friedlich durch Straßen bewegen, nichts zerstören, nicht gewalttätig werden. Gemeinsam können wir etwas bewegen. Zuallererst unsere Herzen

Eine wichtige Chance

Greta Thunberg fing an, statt zur Schule zu gehen, sich vor dem schwedischen Parlamentsgebäude zu postieren und für das Klima zu streiken. Sie hatte etwas herausgefunden, was jetzt Zehntausende Forscher bestätigt haben: Dass wir in letzter Sekunde etwas ändern können und müssen. Auch wenn die Politiker das wissen, haben sie bisher fahrlässig gehandelt. Wie fahrlässig, wird jetzt immer hörbarer, denn weltweit streiken Schüler freitags für das Klima. Je mehr Menschen zuhören, hinsehen und selbst lernen, desto mehr kann für das Klima getan werden. Auch indem die Menschen erfahren, dass schon ein paar Änderungen im Alltag hilfreich sind. Und je mehr wir zusammenhalten und durchhalten, umso stärker wird der Druck auf die Verantwortlichen.

Wer es nicht schafft, rauszugehen, kann sich anders verbinden, es ist ein starkes Gefühl!

In den Artikeln #kidlit4climate und #30 Müll findet Ihr weitere Anregungen zu dem Thema.

2 comments on “#33 Demo
  1. Alma sagt:

    Wie schön. 🙂 Mir gehts mit Demos ähnlich. Ich liebe den Austausch, das Zusammenkommen, die Energie, … Und ich bin schon total gespannt, im August beim Klimacamp im Rheinland dabei zu sein, sozusagen die Steigerung einer Demo. <3

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