Posts Tagged “Achtsamkeit”

#29 Kaffeebohnenübung

Die Stadtkönigin hält drei Steinchen hoch

Im letzten Jahr lernte ich eine schöne Achtsamkeitsübung kennen. Sie basiert auf einer Geschichte, die sehr gut zur Stadtkönigin passt.

Schöne Momente mitnehmen

Am Morgen steckt man sich Kaffeebohnen in die linke Hosentasche. Hat man keine, kann man trockene Bohnen nehmen, oder auch Steinchen. Ich habe es damals mit Steinchen „gelernt“, damit das Gewicht in der Tasche spürbar ist und ich daran denke. Wenn man über den Tag etwas Schönes erlebt, nimmt man jedes Mal ein Steinchen und steckt es in die rechte Tasche. Am Abend kann man sie aus der Tasche nehmen und man darf die schönen Momente noch einmal Revue passieren lassen. Ein schöner Abschluss für den Tag.

Reisende Steine

Anfangs nutzte ich drei bis vier Steinchen, und die sollten nicht irgendwie zufällig sein. Immer wenn ich ein Steinchen fand, das mir gefiel, tauschte ich es aus und legte ein Steinchen von denen, die ich bereits hatte, dorthin. Mir gefiel die Vorstellung, dass ein Stein aus Grünau jetzt am Ostkreuz lag. So gingen einige Steinchen auf Reisen. So eine Übung mit Steinchen zu machen wird aber auf Dauer zu schwer, denn:

Es werden immer mehr schöne Momente!

So ist das. Dadurch, dass ich darauf achte, werden mir immer mehr schöne Momente am Tag bewusst. Deswegen nehme ich jetzt Bohnen. Zwar habe ich immer noch keine Kaffeebohnen, Schwarzaugenbohnen sind aber auch hübsch. In dem Fall darf man mal mit dem Essen spielen.

Die Steinchen dekorieren jetzt meinen Pflanzenkasten.

Mehr (jahreszeitenunabhängige) Artikel zu schönen Momenten findet Ihr unter #26 Brückensession, #21 Himmel und #05 Lieblingsort.

#27 Farbtherapie

Die Stadtkönigin läuft durchs fallende Laub

Der Herbst lässt sich nicht lumpen dieses Jahr. Letztes Jahr war es anders: Da färbte sich das Laub an den Bäumen und ein fieser Sturm riss es sofort herunter. So ist es dieses Jahr nicht. Eines Morgens sah ich aus dem Fenster und ein Baum brannte mir das so was von leuchtende Gelb seiner Blätter direkt ins Hirn. So sehr, dass ich behaupte, es setzte dort einige Glückshormone frei. Der Baum ist immer als erstes dran, es ist so ein richtiger „Ey, hör auf, es ist noch Sommer!“-Baum. Aber dieses Gelb! Etwas später fängt der Rest der Vegetation, die zum Winter ihr Laub abwirft, damit an, sich zu färben.

So leuchtende Farben bekommt nur die Natur hin.

Das behaupte ich zumindest. Ich behaupte auch, und die Behauptung stammt aus dem letzten Jahr, als der Herbst noch schmuddelig und grau war, dass das die Natur extra eingerichtet hat, um einen Kontrast zum dunklen Herbstwetter zu schaffen. In diesem Herbst fand ich sogar einen Busch, dessen Blätter sich Magenta färben. Im Ernst, ich lüge nicht! Und Baumkronen, die im Ganzen Farbverläufe haben. Natürlich, wie im jeden Herbst, färbt sich der wilde Wein rot und rankt mit seinen roten Blättern zwischen grünem Gras oder an noch grünen Bäumen entlang und macht Farbkontraste. Sehr schön sieht er auch auf Bahngeländen zwischen den Schienen aus.

Macht Ihr auch eine Farbtherapie?

Seid nicht traurig über die kürzer werdenden Tage, die Farben draußen trösten Euch darüber hinweg. An sonnigen Tagen lohnt es sich, die Blätter gegen das Licht zu halten. Und wenn sie dann doch runterfallen, kann man mit dem Laub rascheln.

Mehr Artikel über Jahreszeiten findet Ihr unter #11 Spielen (Winter), #17 Verheißung (Winter/Frühling), #20 Riechen (Frühling), #24 Mundraub (Sommer)

#26 Brückensession

Die Stadtkönigin beobachtet den Abendhimmel von der Brücke aus

Abgesehen von allen Schwierigkeiten war dieser Sommer ein Sommer voller Sonne, Sonne und noch mal Sonne, die im Herbst immer noch scheint. Noch dazu haben wir eine relativ neue Spreebrücke. Der Ausblick ist schön. In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit Meditation und Achtsamkeit, damit, einfach mal die Dinge so sein zu lassen, wie sie sind, und den Moment zu genießen. Mehr als sonst. Es ist schon so, dass mir schon immer die schönen Dinge in alltäglichen Momenten aufgefallen sind, besonders, wenn sie am Himmel hingen oder einen Farbverlauf bildeten, oder Geschichten in meinen Kopf pflanzten.

Brückensession

Vor einiger Zeit vermutete ich, dass die bald untergehende Sonne vielleicht von dieser Brücke besonders schön anzusehen wäre. Also ging ich abends los und sah noch mehr als den Sonnenuntergang. Die Flugzeuge am Himmel und die, die man am weit entfernten Flughafen Tegel starten und landen sehen kann, bringen Bewegung in die Sache. Auf der Spree fahren verschiedene Schiffe auf und ab.

Vögel sitzen auf den Leitungskabeln und das Ganze hebt sich wie ein schwarzer Scherenschnitt gegen den farbigen Himmel ab. Es gibt so viel zu beobachten, dass ich mich kaum entscheiden kann, wo ich zuerst hinsehen soll. Ich nehme mir von jetzt an öfter die Zeit für eine Brückensession.

Es ist angerichtet.

Sucht Euch auch eine Brücke oder einen anderen hoch gelegenen Ort und schaut Euch den Sonnenuntergang an oder beobachtet einfach so die Umgebung. Seht Ihr, was sich alles bewegt?

Ähnliche Artikel findet Ihr unter #12 Weite und #21 Himmel.

#25 Schauplatz

„Ich war ihnen auf der Spur. In dieser heruntergekommenen Gegend zwischen Lagerhallen und rostigen Containern würde sie keiner vermuten, dachten sie wohl. Keiner würde die Schreie ihres Opfers hören, wenn sie mutterseelenallein an den grauen Wänden widerhallten, an denen altersschwacher Putz abbröckelte. Außerdem war Sonntag und die hier arbeitenden Leute hielten sich so weit entfernt wie möglich von diesem trostlosen Gelände auf.

Doch ich war hier und kam mir mächtig schlau vor. Bis ich mich fragte, ob es nicht zu einfach gewesen war, ihnen auf die Schliche zu kommen. Was, wenn das Ganze nur ein Hinterhalt war, und das Opfer, das hier seine einsamen letzten Lebensschreie ausstoßen würde, ich sein sollte?“

Manchmal, wenn ich den Blick aus der S-Bahn schweifen lasse oder über Hinterhöfe oder Parkplätze gehe, sehe ich Orte, die perfekte Schauplätze für Krimis wären. Sie wirken so geheimnisvoll, manchmal leicht ranzig, manchmal industriell, groß und verwinkelt oder klein und versteckt; manche Kneipen wirken schon von außen wie Spelunken oder etwas verrucht. Nun gut, ich lese eigentlich nur eine einzige Krimireihe und habe früher Detektivcomics gelesen. (Letztere mochte ich, weil es auch ohne Mord ging.) Trotzdem regen solche Orte meine Fantasie an, bieten sie doch perfekte Schauplätze für spannende Szenen.

Kennt Ihr auch solche Schauplätze, wo Euch eine Szene fast schon anspringt? Schaut mal nach, wenn Ihr demnächst durch Euren Ort lauft! Vielleicht könnt Ihr Spannendes berichten.

Ähnliche Gedankenspiele für unterwegs findet Ihr in den Artikeln #15 Klein und #13 Markierung.

#20 Riechen

Die Stadtkönigin riecht am Flieder

In meiner Freizeit schreibe ich. Um die Hintergründe meiner dystopischen Kurzgeschichte auszuarbeiten, verließ ich den angestammten Treffraum meiner Schreibgruppe an dem Abend, um draußen Inspirationen zu sammeln. In der Gegend gibt es viele Hochhäuser, da würde es schon eine karge Ecke geben, die mit grauen Fassaden meine Fantasie anregen sollte. Stattdessen schwebte mir eine blumige Duftwolke entgegen. Überall blühte es, die Sonne schien, Kinder spielten, so richtig dystopische Stimmung kam nicht auf. Auch nicht, als ich auf der Suche nach einem geeigneten Ort von Baum zu Baum ging und an den Blüten roch. Ich kehrte mit den Worten „draußen ist es einfach zu schön zum Schreiben“ in den Raum zurück.

Es ist interessant, dass wir in Deutschland schon vielerorts das Kirschblütenfest der Japaner übernommen haben, dabei haben wir unsere eigenen Blüten. Fliederduft erfüllt die Luft. Und diese Pflanze steht überall. Selbst wenn ich mit einer Schiene am kaputten Fuß runterhumpele, um den Biomüll wegzubringen. Bei so was will man ja eigentlich so richtig schön schlecht drauf sein, doch dann weht mir von den Mülleimern her Fliederduft entgegen, weil Fliederbäume neben dem Müllkäfig stehen und vor sich hinduften.
Und nicht nur Flieder, ich rieche gern an allem, was blüht. Es riecht unterschiedlich, auch unterschiedlich zart. Da bin ich sehr neugierig. Die Menschen auf der Straße sehen mich dabei und machen es mir nicht nach. Vielleicht später, heimlich. Oder sie denken, ich hätte eine Schraube locker. Aber es riecht doch so gut!

Könnt Ihr auch Eure Nasen nicht raushalten (aus den Blüten)? Woran riecht Ihr am liebsten?

#11 Spielen

Die Stadtkönigin zerlatscht grinsend die Eisschicht auf einer Pfütze

Im Winter ist die Welt draußen der reinste Spielplatz. Wenn Schnee liegt, kann man sowieso spielen. Schon alleine, wie er knarrt, wenn man durchläuft. Man kann ihn formen oder Bilder reinmalen. Man kann sich damit bewerfen, Schlitten fahren und auf den Nebenstraßen schlittern, wenn er von Autos festgefahren wurde, oder Skilaufen. Wenn Seen zugefroren sind, kann man eislaufen oder einfach so schlittern.
Genau wie auf den Pfützen. Wenn das Eis auf Pfützen nicht ganz so dick ist, kann man noch anders damit spielen. Man knackt die dünne Eisschicht und schaut, wie sich Luftblasen bilden und bewegen. Manchmal vermischt sich das Wasser in seiner Bewegung mit dem Schlamm darunter. Ist die Pfütze darunter trocken, kracht das Eis beim Drüberlaufen.

Manchmal glaube ich, der Winter ist Spielzeug.

Fangt Ihr im Winter auch an zu spielen?

#10 Ruhe

Die stadtkönigin läuft durch den Nebel und das Moor

Im letzten Jahr habe ich die freien Tage zwischen Weihnachten und Silvester genutzt um rauszugehen, lange Spaziergänge zu machen. Es war nach den Weihnachtstagen sehr erholsam und dieses Jahr werde ich das wieder tun. Es ist wie Urlaub nach den lauten Weihnachtstagen mit der Familie.
Innerhalb Berlins gibt es ein Dorf namens Lübars. Dort bin ich letztes Jahr hingegangen. Unweit vom Dorfkern geht es hinaus ins Sumpfgebiet. Die kahlen Bäume ragen zwischen trockenem Schilf empor. Die Pflanzen ruhen, einige Tiere sind nach Süden gezogen oder halten Winterschlaf. Andere Tiere und Pflanzen erhalten sich lediglich. Alles scheint langsamer und ruhiger zu sein als im Rest des Jahres. Die Welt legt eine Ruhepause ein, bevor es wieder losgeht. Wenn Schnee liegt, scheint er alle Geräusche ein wenig zu dämpfen und wenn man ganz leise ist, hört man die Flocken, wie sie auf Erde, Ästen oder vertrockneten Blättern landen.

Ich wünsche Euch ein paar ruhige und erholsame Tage.

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