Posts Tagged “Alltagsphilosophie”

#18 Besitz

Die Stadtkönigin schaut verträumt in den Himmel über dem RAW-Gelände

Was von dem, was ich sehe, besitze ich? Ich laufe durch die Straßen „meiner“ Stadt. Schaue mir die Graffiti auf ihren Wänden an. Höre ihre Geschichten. Spüre den Wind zwischen ihren Häusern. Nichts von alledem ist in meinem Besitz und gleichzeitig gehört es mir doch. Ich nehme die Bilder der Umgebung in mir auf und in meinem Gehirn werden sie zu Erinnerungen. Ich höre Geräusche und höre sie in der Erinnerung weiter, während das eigentliche Geräusch sich verzogen hat. Erinnerungen sind das, was in meinen Besitz übergegangen ist.

Aber auch sie kann ich nicht ewig festhalten. Sie verändern sich ebenfalls, nur langsamer. Über die Zeit verklären oder verblassen sie, viele sind irgendwann ganz vergessen. Auf manchen liegt eine Schicht, die sie überdeckt, bis ein ähnlicher Eindruck die Schicht herunterreißt. Vergessen schafft Platz für das, was neu in meinen Besitz übergeht.

Da ist dann mein bruchstückhafter Besitz und verändert sich stetig. Manchmal fülle ich die Bruchstücke mit nicht da gewesenem auf, manchmal würfele ich sie zusammen, und etwas Neues entsteht. Eine Idee vielleicht.

Wie seht Ihr das Ganze? Schreibt mir Eure Gedanken dazu!

#14 Geschichte

Es nieselt und die nStadtkönigin schaut an einer düsteren, alten Hausfassade hoch

Ich laufe durch eine alte Straße in Berlin-Prenzlauer Berg und für einen kurzen Moment spüre ich die Geschichte auf meinen Schultern. Diese Straße gab es schon längst als … Erinnerungen, die meine und nicht meine sind, stürzen auf mich ein. Ich bin zwar in dieser Stadt aufgewachsen, doch am Rand, wo man von „alldem“ nichts sah.

Bei Schulausflügen wirkte die Stadt immer groß, grau und ernst auf mich. Vielleicht war sie es auch, noch mehr als heute jedenfalls, denn der Mauerfall war viel näher dran und die Nachwirkungen der Teilung noch deutlich wahrzunehmen.
Denke ich an die Vergangenheit Deutschlands, wird alles von den Weltkriegen und der Teilung überschattet. Was davor war, besonders vor dem Zweiten Weltkrieg, kommt mir manchmal verblasst vor, fast wie abgerissen. Wir haben einen Riss in unserer Vergangenheit, der uns bis heute stark beeinflusst.
Der Moment, in dem die Geschichte auf mir lastet, geht vorbei, als ich in eine belebte Straße einbiege. Heutzutage ist die Stadt nicht mehr furchteinflößend für mich. Ich sehe Lichter, höre Lachen und Vielfalt strömt aus den Restaurants, Läden, Wohnungen. Die Stadt ist bunt geworden und wo ich auf ihre Geschichte treffe, interessiert sie mich. Interessant ist auch der Gedanke, dass wir in jedem Augenblick neue Geschichte erschaffen. Mit dem, was wir im Hier und Jetzt tun.

Habt Ihr manchmal auch das Gefühl, die Geschichte zu spüren, wenn Ihr unterwegs seid?

Go Top