#17 Verheißung

Die Stadtkönigin steht zwischen Betonrampen am VelodromJedes Mal, wenn ich abends von meiner Schreibgruppe komme, laufe ich noch dort in der Gegend herum. Gegen 20:30 gehe ich los und komme kurz darauf beim Velodrom an. Um das Velodrom und die Schwimmhalle herum ist eine hoch angelegte Rasenfläche mit Apfelbäumen, dazwischen wie zwei in den Boden eingelassene UFOs die beiden Hallen, eine eckig, eine rund. Die Fläche erreicht man von der Straße aus über steinerne Treppen. Auf einer Seite führt dazwischen auch eine Rampe im Zickzack hoch, die als Übungsplatz für Parcours genutzt wird.

Ich gehe also regelmäßig abends dorthin. Aber es ist nicht immer dasselbe. Jedes Mal ist irgendetwas anders, auch in der dunklen Jahreszeit.

Diesmal liegt eine Verheißung in der Luft. Es ist ganz dunkel; dafür, dass noch ein letztes bisschen Blau am Himmel ist, ist es trotz Zeitumstellung noch zu früh im Jahr. Es ist auch kalt. Kein erkennbarer Unterschied zum Winter. Kein besonderer Geruch. Trotzdem wirkt es diesmal anders hier. Belebter. Die Menschen beginnen, sich auf der Straße zu unterhalten. Es scheinen mehr unterwegs zu sein und sie haben nicht mehr nur das Ziel von A nach B zu kommen. Wie eine Ahnung liegt ein Vorbote des Frühlings und des Sommers in der Luft. Eine innere Stimme, die sagt, dass es bald wieder losgeht. Dass es Zeit ist rauszugehen.

Auf der hohen Rasenfläche weht Wind und ich ziehe mir die Kapuze über die Mütze. Dann sehe ich mir die Skyline der Stadt und den schwarzen Himmel an, an dem dunkle Wolken zu sehen sind. Bald wird es nicht mehr abends dunkel sein.

Ich wünsche Euch schöne Ostern und dass Ihr Zeit findet, zwischendurch zu Stadtköniginnen oder Stadtkönigen zu werden!

5 comments on “#17 Verheißung
  1. Kay sagt:

    Dir auch frohe Ostern und danke für den tollen Beitrag, es hat mir wieder mal große Freude gemacht, ihn zu lesen 🙂

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

  2. Liebe Tina,
    ich bin ja voll die Landkönigin, aber Deine Beschreibung gefällt mir dennoch sehr. Für mich sind es die Vögel, die mir die Verheißung auf den Frühling bringen. Bei uns liegen immer noch Schneereste dennoch pünktlich um 530 Uhr öffnen die Vögel ihre Augen und singen voll Lebensfreude den Frühling herbei. Tagsüber balzen sie fleißig und bauen Nester. Genau dann fühle ich mich als Landkönigin!
    Alles Liebe
    Annette

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