#19 Loslassen

Die Stadtkönigin plant ihren Blogartikel an einer verwilderten Stelle an der Spree.Bin ich die Einzige auf der Welt, der es manchmal so geht? Okay, da sollte ich wohl erklären, wie es mir geht. Ich bin ein nervöses Wrack. Ich bin in meiner Wohnung wie ein Tiger in einem viel zu engen Käfig, und halte mich gerade selber nicht mehr aus.
Morgen habe ich einen wichtigen Termin, der gefühlt über Leben und Tod entscheidet. Was ist, wenn …? Und  warum kann es nicht einfach ohne diesen ganzen Terz gehen? Ja, warum? Entsteht das ganze Theater nur in meinem Kopf? Rein rational gesehen ist es morgen so, wie es ist, egal, wie sehr ich mich jetzt darüber aufrege. Also abregen! Loslassen, jetzt!
Ich kann nicht!
Ich wäre jetzt gern nicht hier. Würde das morgen einfach so machen. Automatisch. Ohne in mir drin zu sein. Okay, ich muss schon in mir drin sein, damit ich auch das Richtige tue, aber muss ich es mitkriegen? So gefühlsmäßig, meine ich.
Es ist unausweichlich, da kann ich genauso gut rausgehen und die letzten Stunden meines Lebens genießen. Ganz loslassen kann ich in solchen Situationen nicht. Aber es ändert den Fokus, wenn ich aus der kleinen Welt meiner Wohnung, und irgendwie meines Kopfes, rausgehe. Andere, neue  Reize stellen sich dem gegenüber, was da in meinem Kopf rumkreist, legen sich auf die andere Waagschale, ein Gegengewicht für die schweren Gedanken.
Eindrücke.
Menschen.
In so einer Millionenstadt (wer gerade nicht in einer großen oder kleinen Stadt ist, kann auch gern die ganze Bundesrepublik als Referenz nehmen) wird es genug Leute geben, die morgen einen Vortrag halten müssen, ein Bewerbungsgespräch haben oder vorm Chef zu Kreuze kriechen müssen. Viele müssen das auch nicht, und zu den Glücklichen kann ich mich ja sonst meistens auch zählen. Heute nicht.
Ich kann, wenn ich rausgehe, nicht ganz loslassen, doch ich integriere das Gefühl in meine heutigen Eindrücke. Diese Endzeitstimmung! Irgendwann (vorausgesetzt, ich lebe dann noch, nach morgen) komme ich wieder hierher und erinnere mich an diesen speziellen Tag, das Gefühl. Und auch daran, wie es am nächsten Tag gelaufen ist. Dass es nicht so schlimm war.
An anderen Tagen gehe ich raus und kann sofort loslassen. Heute nicht.

Geht es Euch in solchen Situationen auch ähnlich? Vielleicht hilft Euch ja die Idee auch, daraus draußen ein kreatives Endzeit-Szenario zu machen. Es ist wenigstens mal was anderes …

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade „Loslassen“, die der Blog Tellyventure veranstaltet. Bis zum 15.05.2018 könnt Ihr selbst daran teilnehmen und danach könnt Ihr dort noch viele andere tolle Artikel zum Thema „Loslassen“ lesen.

6 comments on “#19 Loslassen
  1. Cordula sagt:

    Diesen Stress kenne ich auch. Um dieses Drana zu vermeiden, habe ich mich in den vielen Jahren meines bisherigen Leben langsam – mehr oder weniger unbewusst – in eine bequeme Nische hineingearbeitet. Da gibt’s kaum noch Aufregung, aber auch kaum Herausforderung. Das kann ganz schön langweilig sein. Ich kann dieses Rezept nicht 100%ig empfehlen.

    • Stadtkönigin sagt:

      Liebe Cordula,
      danke für Deinen Kommentar. Es ist interessant und stimmt mich nachdenklich, was Du da schreibst. Für viele ist es ja auch nicht unbedingt die Arbeit, was mit bunten Reizen lockt. Wahrscheinlich eher für wenige. Es ist vielleicht auch ganz gut, sich, was das betrifft, sicher zu fühlen und dafür in der Freizeit Herausforderungen anzunehmen. Zum Beispiel Musik machen; irgendwann kann man sich der Herausforderung stellen, vor anderen zu musizieren. Oder Sport, das ist aber nicht so mein Thema, außer Stadtkönigin sein ;). Aber auch draußen kann man sicher Herausforderungen finden. Im Kleinen.

  2. Kay sagt:

    Ein super schöner Beitrag zur Blogparade von tellyventure an der ich selbst ja auch teilgenommen habe 🙂
    Oh ja das Gefühl kenne ich auch und ich finde es einen spannenden Ansatz, daraus ein kreatives Szenario zu machen! Sehr inspirierend, danke!

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

    • Stadtkönigin sagt:

      Liebe Kay,
      danke für deinen Kommentar. Dann hoffe ich mal, dass ich dir für die nächste Situation dieser Art helfen konnte … gekonnt haben werde.
      Liebe Grüße 🙂
      Tina

  3. Dany sagt:

    ein toller Beitrag. Ich mag das Design deines Blogs total. Und ich kenne das, Solche Situationen hasse ich auch. Ich werde oft ins kalte Wasser geschmissen, bekomme es zwar am Ende meistens hin, aber um welchen Preis.

    Liebe Grüße Dany von danyalacarte.de

    • Stadtkönigin sagt:

      Liebe Dany,
      vielen vielen Dank. Naja, der Preis ist, dass man sich vielleicht irgendwann dran gewöhnt und daran wächst. Oder es ist so eine Situation, die keiner braucht. Aber trotzdem, meist ist es ja hinterher halb so schlimm. Und umso besser, wenn es vorbei ist 🙂
      Dir einen schönen Feiertag morgen
      Tina

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