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#17 Verheißung

Die stadtkönigin steht auf der Betonrampe des Velodroms vor der nächtlichen Skyline Berlins

Jedes Mal, wenn ich von der Schreibgruppe komme, laufe ich abends noch dort in der Gegend herum. Gegen 20:30 gehe ich los und komme kurz darauf beim Velodrom an. Um das Velodrom und die Schwimmhalle herum ist eine hoch angelegte Rasenfläche mit Apfelbäumen, dazwischen wie zwei in den Boden eingelassene UFOs die beiden Hallen, eine eckig, eine rund. Die Fläche erreicht man von der Straße aus über steinerne Treppen. Auf einer Seite führt dazwischen auch eine Rampe im Zickzack hoch, die als Übungsplatz für Parcours genutzt wird.

Ich gehe also regelmäßig abends dorthin. Aber es ist nicht immer dasselbe. Jedes Mal ist irgendetwas anders, auch in der dunklen Jahreszeit.

Diesmal liegt eine Verheißung in der Luft. Es ist ganz dunkel; dafür, dass noch ein letztes bisschen Blau am Himmel ist, ist es trotz Zeitumstellung noch zu früh im Jahr. Es ist auch kalt. Kein erkennbarer Unterschied zum Winter. Kein besonderer Geruch. Trotzdem wirkt es diesmal anders hier. Belebter. Die Menschen beginnen, sich auf der Straße zu unterhalten. Es scheinen mehr unterwegs zu sein und sie haben nicht mehr nur das Ziel, von A nach B zu kommen. Wie eine Ahnung liegt ein Vorbote des Frühlings und des Sommers in der Luft. Eine innere Stimme, die sagt, dass es bald wieder losgeht.

Auf der hohen Rasenfläche weht Wind und ich ziehe mir die Kapuze über die Mütze. Dann sehe ich mir die Skyline der Stadt und den (nicht so ganz)schwarzen Himmel an, an dem dunkle Wolken zu sehen sind. Bald wird es nicht mehr abends dunkel sein.

Ich wünsche Euch schöne Ostern und dass Ihr Zeit findet, zwischendurch zu Stadtköniginnen oder Stadtkönigen zu werden!

#11 Spielen

Die Stadtkönigin zerlatscht grinsend die Eisschicht auf einer Pfütze

Im Winter ist die Welt draußen der reinste Spielplatz. Wenn Schnee liegt, kann man sowieso spielen. Schon alleine, wie er knarrt, wenn man durchläuft. Man kann ihn formen oder Bilder reinmalen. Man kann sich damit bewerfen, Schlitten fahren und auf den Nebenstraßen schlittern, wenn er von Autos festgefahren wurde, oder Skilaufen. Wenn Seen zugefroren sind, kann man eislaufen oder einfach so schlittern.
Genau wie auf den Pfützen. Wenn das Eis auf Pfützen nicht ganz so dick ist, kann man noch anders damit spielen. Man knackt die dünne Eisschicht und schaut, wie sich Luftblasen bilden und bewegen. Manchmal vermischt sich das Wasser in seiner Bewegung mit dem Schlamm darunter. Ist die Pfütze darunter trocken, kracht das Eis beim Drüberlaufen.

Manchmal glaube ich, der Winter ist Spielzeug.

Fangt Ihr im Winter auch an zu spielen?

#10 Ruhe

Die stadtkönigin läuft durch den Nebel und das Moor

Im letzten Jahr habe ich die freien Tage zwischen Weihnachten und Silvester genutzt um rauszugehen, lange Spaziergänge zu machen. Es war nach den Weihnachtstagen sehr erholsam und dieses Jahr werde ich das wieder tun. Es ist wie Urlaub nach den lauten Weihnachtstagen mit der Familie.
Innerhalb Berlins gibt es ein Dorf namens Lübars. Dort bin ich letztes Jahr hingegangen. Unweit vom Dorfkern geht es hinaus ins Sumpfgebiet. Die kahlen Bäume ragen zwischen trockenem Schilf empor. Die Pflanzen ruhen, einige Tiere sind nach Süden gezogen oder halten Winterschlaf. Andere Tiere und Pflanzen erhalten sich lediglich. Alles scheint langsamer und ruhiger zu sein als im Rest des Jahres. Die Welt legt eine Ruhepause ein, bevor es wieder losgeht. Wenn Schnee liegt, scheint er alle Geräusche ein wenig zu dämpfen und wenn man ganz leise ist, hört man die Flocken, wie sie auf Erde, Ästen oder vertrockneten Blättern landen.

Ich wünsche Euch ein paar ruhige und erholsame Tage.

#09 Adventskalender

Die Stadtkönigin stellt sich das Haus gegenüber ihrer Wohnung als Adventskalender vor und öffnet ein Türchen. Der Bewohner dahinter ist nicht begeistert.

Es geht um ein Haus in der Straße, in der ich lebe. Ein altes Mehrfamilienhaus mit einer schlichten aber schönen Fassade. Das sieht so gut aus wie ein Adventskalender und die Fenster sind die Türchen.
Der Gedanke ist interessant, hinter jedem Fenster verbirgt sich eine andere Geschichte, andere Menschen mit anderen Weihnachtstraditionen, Besonderheiten.

Als meine Schwester und ich klein waren, schickten uns unsere Eltern an Heiligabend immer baden, damit wir sauber sind, wenn der Weihnachtsmann kommt. Wäre es nicht interessant, die Fensterchen am Adventskalenderhaus zu öffnen und eine kleine Geschichte zu hören, wie dahinter Weihnachten gefeiert wird?

Habt Ihr Lust, ein kleines Türchen zu öffnen und eine Geschichte von Euch zu erzählen?

#08 Lichter

Die Stadtkönigin bewundert die Weihnachtsbeleuchtung in einem Garten

Es wird Winter, die Tage werden kürzer und die Gelegenheiten, im Hellen von meinem Thron aus dem Fenster zu schauen oder durch die Gegend zu streifen, werden seltener. Dass es Mitte Dezember um 16 Uhr schon fast dunkel ist, finde ich echt übertrieben.
Doch wir leben hier und das sind die Bedingungen. Der Mensch passt sich an und deshalb spenden lauter Lichter in den Fenstern vor Weihnachten und bis in den Januar hinein Trost. Manchmal sind sie auch bunt und interessant anzuschauen. In der Gegend, in der ich früher wohnte, steht ein so reichlich geschmücktes und beleuchtetes Haus, dass selbst der Bus manchmal anhält, damit die Fahrgäste es sich genauer anschauen können.
Die Lichter sind für mich auf jeden Fall ein Grund, gern im Dunkeln rauszugehen.

Gehört Ihr zu den Menschen, die gern ihre Fenster schmücken?

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