Posts Tagged “Frühling”

#20 Riechen

Die Stadtkönigin riecht am Flieder

In meiner Freizeit schreibe ich. Um die Hintergründe meiner dystopischen Kurzgeschichte auszuarbeiten, verließ ich den angestammten Treffraum meiner Schreibgruppe an dem Abend, um draußen Inspirationen zu sammeln. In der Gegend gibt es viele Hochhäuser, da würde es schon eine karge Ecke geben, die mit grauen Fassaden meine Fantasie anregen sollte. Stattdessen schwebte mir eine blumige Duftwolke entgegen. Überall blühte es, die Sonne schien, Kinder spielten, so richtig dystopische Stimmung kam nicht auf. Auch nicht, als ich auf der Suche nach einem geeigneten Ort von Baum zu Baum ging und an den Blüten roch. Ich kehrte mit den Worten „draußen ist es einfach zu schön zum Schreiben“ in den Raum zurück.

Es ist interessant, dass wir in Deutschland schon vielerorts das Kirschblütenfest der Japaner übernommen haben, dabei haben wir unsere eigenen Blüten. Fliederduft erfüllt die Luft. Und diese Pflanze steht überall. Selbst wenn ich mit einer Schiene am kaputten Fuß runterhumpele, um den Biomüll wegzubringen. Bei so was will man ja eigentlich so richtig schön schlecht drauf sein, doch dann weht mir von den Mülleimern her Fliederduft entgegen, weil Fliederbäume neben dem Müllkäfig stehen und vor sich hinduften.
Und nicht nur Flieder, ich rieche gern an allem, was blüht. Es riecht unterschiedlich, auch unterschiedlich zart. Da bin ich sehr neugierig. Die Menschen auf der Straße sehen mich dabei und machen es mir nicht nach. Vielleicht später, heimlich. Oder sie denken, ich hätte eine Schraube locker. Aber es riecht doch so gut!

Könnt Ihr auch Eure Nasen nicht raushalten (aus den Blüten)? Woran riecht Ihr am liebsten?

#17 Verheißung

Die stadtkönigin steht auf der Betonrampe des Velodroms vor der nächtlichen Skyline Berlins

Jedes Mal, wenn ich von der Schreibgruppe komme, laufe ich abends noch dort in der Gegend herum. Gegen 20:30 gehe ich los und komme kurz darauf beim Velodrom an. Um das Velodrom und die Schwimmhalle herum ist eine hoch angelegte Rasenfläche mit Apfelbäumen, dazwischen wie zwei in den Boden eingelassene UFOs die beiden Hallen, eine eckig, eine rund. Die Fläche erreicht man von der Straße aus über steinerne Treppen. Auf einer Seite führt dazwischen auch eine Rampe im Zickzack hoch, die als Übungsplatz für Parcours genutzt wird.

Ich gehe also regelmäßig abends dorthin. Aber es ist nicht immer dasselbe. Jedes Mal ist irgendetwas anders, auch in der dunklen Jahreszeit.

Diesmal liegt eine Verheißung in der Luft. Es ist ganz dunkel; dafür, dass noch ein letztes bisschen Blau am Himmel ist, ist es trotz Zeitumstellung noch zu früh im Jahr. Es ist auch kalt. Kein erkennbarer Unterschied zum Winter. Kein besonderer Geruch. Trotzdem wirkt es diesmal anders hier. Belebter. Die Menschen beginnen, sich auf der Straße zu unterhalten. Es scheinen mehr unterwegs zu sein und sie haben nicht mehr nur das Ziel, von A nach B zu kommen. Wie eine Ahnung liegt ein Vorbote des Frühlings und des Sommers in der Luft. Eine innere Stimme, die sagt, dass es bald wieder losgeht.

Auf der hohen Rasenfläche weht Wind und ich ziehe mir die Kapuze über die Mütze. Dann sehe ich mir die Skyline der Stadt und den (nicht so ganz)schwarzen Himmel an, an dem dunkle Wolken zu sehen sind. Bald wird es nicht mehr abends dunkel sein.

Ich wünsche Euch schöne Ostern und dass Ihr Zeit findet, zwischendurch zu Stadtköniginnen oder Stadtkönigen zu werden!

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