Posts Tagged “andere Welten”

#26 Brückensession

Die Stadtkönigin beobachtet den Abendhimmel von der Brücke aus

Abgesehen von allen Schwierigkeiten war dieser Sommer ein Sommer voller Sonne, Sonne und noch mal Sonne, die im Herbst immer noch scheint. Noch dazu haben wir eine relativ neue Spreebrücke. Der Ausblick ist schön. In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit Meditation und Achtsamkeit, damit, einfach mal die Dinge so sein zu lassen, wie sie sind, und den Moment zu genießen. Mehr als sonst. Es ist schon so, dass mir schon immer die schönen Dinge in alltäglichen Momenten aufgefallen sind, besonders, wenn sie am Himmel hingen oder einen Farbverlauf bildeten, oder Geschichten in meinen Kopf pflanzten.

Brückensession

Vor einiger Zeit vermutete ich, dass die bald untergehende Sonne vielleicht von dieser Brücke besonders schön anzusehen wäre. Also ging ich abends los und sah noch mehr als den Sonnenuntergang. Die Flugzeuge am Himmel und die, die man am weit entfernten Flughafen Tegel starten und landen sehen kann, bringen Bewegung in die Sache. Auf der Spree fahren verschiedene Schiffe auf und ab.

Vögel sitzen auf den Leitungskabeln und das Ganze hebt sich wie ein schwarzer Scherenschnitt gegen den farbigen Himmel ab. Es gibt so viel zu beobachten, dass ich mich kaum entscheiden kann, wo ich zuerst hinsehen soll. Ich nehme mir von jetzt an öfter die Zeit für eine Brückensession.

Es ist angerichtet.

Sucht Euch auch eine Brücke oder einen anderen hoch gelegenen Ort und schaut Euch den Sonnenuntergang an oder beobachtet einfach so die Umgebung. Seht Ihr, was sich alles bewegt?

Ähnliche Artikel findet Ihr unter #12 Weite und #21 Himmel.

#22 Satellitenstadt

Die Stadtkönigin hängt im  Märkischen Viertel ab

Es ist doch schön hier.

Ich bin in Berlin unterwegs. Doch das Märkische Viertel ist wie eine eigene Stadt. Eine ausgedachte Stadt, die wie eine Utopie vom Reißbrett aus an den Stadtrand gebaut wurde. Eine Geschichte mit festgelegtem Anfang in den 60’er Jahren, und Grundparametern. Ein paar Höfe lang zieht sich ein architektonisches Thema durch die Hochhäuserreihen. Dann kommt ein anderes Thema, eine andere Architektur. Dazwischen viel Grün. Spielplätze. Kinder aus verschiedenen Nationen. Die Rufe spielender Kinder, Babygeschrei und Gequassel Erwachsener hallt über den von Hochhäusern gesäumten Hof. Die Häuser summen in der frühsommerlichen Abendsonne wie ein Bienenstock.

Fast kommt mir das Viertel unwirklich vor, wie eine riesige Hotelanlage. Doch statt Luxussuiten findet man hinter den Türen den Ernst des Lebens wieder. Ob er ernster als im Rest der Stadt ist, so wie es Stadtrandsiedlungen oft nachgesagt wird, kann ich nicht beurteilen. Von den vielen Leben hinter den Türen kenne ich eines, ausschnittsweise, wer weiß, ob ich mir sonst so sicher wäre, dass es keine Hotelanlage ist.

Es gibt größere Grünanlagen, zwei riesige Teiche, viel geplante Natur. Die Menschen sind freundlich zueinander. Was auffällt, ist, dass es sehr viele Menschen sind, die sich auf engem Raum tummeln. Hippe Galerien, Craft-Beer-Bars oder Restaurants, in denen sich die Vertreter der vielen Nationalitäten kulinarisch austoben können, sucht man vergebens. Dafür gibt es Jugendangebote, Nachbarschaftstreffs, Halfpipes und Wegweiser zu den Attraktionen des Viertels. Eine Hauptattraktion ist das Einkaufszentrum. Teilweise überdacht, teilweise im Freien ist es der soziale Treffpunkt und eine aufregende, verwinkelte Betonlandschaft.

Berlin ist weit weg und doch ist das Viertel auch Berlin.

Es ist doch schön hier.

Ich gehe in mein Hotelzimmer zurück, das sich wieder einmal als die Wohnung von Freunden entpuppt.

#21 Himmel

Die Stadtkönigin wandelt in den Wolken

Der Himmel ist offen und weit. Verschiedenartige Wolken fügen sich zusammen zu einer faszinierenden Traumwelt. Die Sonne beleuchtet diese ganze Szenerie. Eine wahnsinnige Kulisse, die sich da über uns aufbaut und die ich manchmal nur mit vor Staunen offenem Mund anstarren kann. Eine andere Welt, weit weg und doch weithin sichtbar. Ich frage mich, wie es wohl wäre, in so einer Welt zu sein, durch einen Tunnel aus Federwolken zu laufen, oder auf weißem, leuchtendem Boden, zwischen riesigen Wolkentürmen entlang zu schlendern, dahinter der Farbverlauf des Himmels. Eine weiche, unendliche, majestätische Traumwelt.
Doch ich weiß, dass Wolken nach etwas ganz anderem aussehen, als sie sind. Diese Schönheit ist in Wirklichkeit lebensfeindlich, kalt und die Wolken tragen uns nicht durch eine Wunderwelt. In der Kälte könnten wir nicht überleben, die Luft ist zu dünn zum Atmen. Dennoch garantiert diese lebensfeindliche Zone, dass wir hier auf der Erde leben können.
Ihre Schönheit umgibt uns von oben und ist doch so weit weg. Bewundern können wir sie von unten oder vom Fenster eines Flugzeuges aus. Eine flüchtige Welt über unserer eigenen Welt.

Was denkt Ihr, wenn Ihr Euch den Himmel anseht? Faszinieren Euch die zerfetzten Wolken, wenn es ein Unwetter gegeben hat oder geben wird? Ist Euch schon mal aufgefallen, dass sich um die untergehende Sonne herum oft auch bei klarem Himmel Wolken sammeln? Und ist ein Farbverlauf nicht Perfektion?

#12 Weite

Die Stadtkönigin ist dunkel gegen das Licht des weiten Himmels zu sehen.

Ich laufe relativ legal auf meinem geliebten Bahngelände herum. Die untergehende Sonne scheint auf eine riesige Baustelle, Berge von Sand, dazwischen wilde, knorrige Pflanzenranken. Im Hintergrund, hinter Bäumen und einem verrosteten Zaun, sind Fabrikgebäude, Bürogebäude, Industrieruinen und das Jobcenter. Darüber der weite Himmel. Eine Weite, die mir ein ganz anderes Gefühl einflößt: Es gibt so viel auf dieser Welt. So vieles, das einfach da ist und, obwohl es uns nicht gehört und der Gedanke, etwas dafür zu bezahlen, absurd ist. Diese Welt selber und alle Naturerscheinungen stehen im Zusammenhang damit, dass die Erde ein kleiner Planet im Universum ist. Wetter, Wolken, der Anblick des Himmels, die Luft zum Atmen, all das gibt es auf diesem Planeten und im weiten Umfeld auf keinem anderen. Das, was da am Himmel ist, ist also ein Stück Weltraum, den wir sehen. In dieser Weite kann ich mich verlieren und Ruhe finden.

Wie fühlt ihr euch, wenn ihr in die Ferne blickt?

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